Emotionale Gifte

Gefühle sind Ausdruck unseres psychologischen Befindens. Dabei gibt es neben positiven, weil heilsamen Gefühlen wie Liebe, Freude oder Dankbarkeit auch negative, weil schädliche Gefühle wie Angst, Gier und Verwirrung. Um letztere und ihre schädliche Wirkung auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden soll es in diesem Beitrag gehen.

„Das schlägt mir auf den Magen.“, „Das geht mir an die Nieren.“ oder „Das bricht mir das Herz.“ sind Redensarten, die wir alle kennen. Und es steckt mehr Wahrheit darin als man denkt.

Emotionen sind ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens. Da sie in den meisten Fällen willkürlich auftreten, sind sie im akuten Fall nur schwer zu kontrollieren. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat schon vor langer Zeit erkannt, dass negative Emotionen, wenn sie über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, zu Krankheiten führen können. Auch die westliche Medizin, die Psychosomatik, wie dieser Zweig auch genannt wird, ist mittlerweile zu dem gleichen Ergebnis gekommen und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang psychischer Reaktionsweisen und körperlichen Vorgängen.

Ärger

Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem die meisten von uns sich nicht über irgendeine Kleinigkeit ärgern. Ärger ist ein ganz alltägliches Gefühl. Die wenigsten wissen jedoch, dass sie sich selbst schaden, wenn sie ihren Ärger nicht in den Griff bekommen. Nelson Mandela brachte es sehr schön auf den Punkt: „Sich zu ärgern gleicht dem trinken von Gift und dann zu hoffen, es würde deine Feinde töten.“

Wenn wir uns ärgern, schüttet unser Organismus die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus. Dadurch steigen Puls und Blutdruck, und die Atmung wird flacher. Diese Vorgänge gehören zum sogenannten Kampf- oder Flucht-Verhalten, einem Relikt aus der Frühzeit der Menschheit. Da wir bei Ärger jedoch selten bis nie kämpfen oder fliehen, können diese Hormone nicht abgebaut werden und verbleiben im Blutkreislauf. Auf Dauer führt das jedoch dazu, dass die Gefäßwände angegriffen werden. Im schlimmsten Fall kann das zu Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Ein typisches Organ, welches vom Ärger besonders betroffen ist, ist unser Magen. Sodbrennen, Gastritis und Magengeschwüre sind typische Erkrankungen des Magens, die nachweislich mit Stress und Ärger zusammenhängen.

Angst

Ob gerade wir im Zeitalter der Angst leben, wie immer wieder behauptet wird, ist fraglich. Doch gibt es Entwicklungen, die diesen Eindruck entstehen lassen.
„Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“, heißt es unter Journalisten. Die meisten Menschen sind weitaus interessierter an dramatischen Meldungen, bis hin zu Katastrophen, als an positiven Nachrichten – und wir bekommen sie deshalb auch aus dem hintersten Winkel dieser Erde. Auch die Rechtspopulisten schüren Ängste und verbreiten systematisch Fehlinformationen, um diese Ängste zu vergrößern; so können sie sich selbst als Heilsbringer und Retter in der Not darstellen.

Wenn man Tag für Tag Angst machende Informationen aufnimmt, bleibt das für eigenen Gemütszustand nicht ohne Folgen. Die Psyche verändert sich und beginnt, die Welt und alles unbekannte als Bedrohung zu empfinden. Zwar soll man vor dem Elend dieser Erde nicht die Augen verschließen; man sollte aber auch erkennen, dass der dichte Informationsstrom der Massenmedien seine Konsequenzen hat.

Anhaltende Angstzustände schwächen die Nieren, was sich unter anderem durch nächtliche Schweißausbrüche äußern kann. Sie haben zudem nachhaltige Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt. Die Folge können Koliken sein, Störungen der Verdauung oder Inkontinenz.

Traurigkeit

Die Traurigkeit gehört ebenfalls zu den grundlegenden Emotionen des Menschen. Wir empfinden Trauer z. B. bei Verlust oder Ablehnung. In diesen Fällen ist sie das Zeichen der seelischen Gesundheit, denn durch die Trauer verarbeiten wir solche Situationen. Kritisch wird es, wenn man Trauer ohne Anlass empfindet oder wenn sie unser komplettes Leben bestimmt und wir nicht mehr aus der Traurigkeit entkommen. Als Folge drohen Depressionen. Als körperliche Symptome können eine flache Atmung, Bronchitis oder Kreislaufprobleme und eine daraus resultierende Lustlosigkeit und übermäßige Müdigkeit auftreten.

Schädliche Emotionen aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

In der TCM geht man davon aus, dass jedes Organ einer speziellen Emotion zugeordnet ist. So steht beispielsweise die Wut mit der Leber und die Angst mit den Nieren in Verbindung. Sehen wir uns nun die gleichen Beispiele aus Sicht der TCM an.

Ärger

Wut wird der Leber zugeordnet und führt zu einer Stagnation des Leber-Qi. Die Folge davon sind Kopfschmerzen und Schwindel. Außerdem können daraus Hypertonie (hoher Blutdruck) und Magenprobleme entstehen.

Angst

Angst ist eine völlig normale menschliche Emotion. Wird sie jedoch unkontrollierbar schädigt sie massiv die Nieren. Als Folge kann sie die Nieren, den Sitz des ursprünglichen Qi schädigen, was unter anderem zu Harninkontinenz, Menstruationsstörungen, Muskelkrämpfe und der Neigung zu Diarrhöe (Durchfall) führen kann.

Trauer

Das mit dieser Emotion verbundene Organ ist die Lunge. Ungelöste Trauer schwächt das Lungen-Qi und die Lungenfunktion generell, was zu Lungenerkrankungen führen kann. Weitere Folgen können Nachtschweiß, Obstipation (Verstopfung), brüchige Nägel und trockene Haut sein.

Schädliche Emotionen aus Sicht der Chan-Philosophie

Auch in der Chan-Philosophie kennt man den Zusammenhang von schädlichen Emotionen und unserem Verhalten. Dabei geht man davon aus, dass aufgrund unserer Prägungen bestimmte Emotionen hervorgerufen werden. Die schädlichsten und grundlegenen Emotionen aus Sicht der Chan-Philosophie sind: Angst, Gier und Verwirrung. Alle drei verursachen weitere Emotionen und Gefühle.

Angst

Angst entsteht aus der Situation heraus, etwas um jeden Preis vermeiden oder auf keinen Fall verlieren zu wollen. Angst raubt uns die Kontrolle und macht uns handlungsunfähig wie es das sprichwörtliche Kaninchen ist, das vor der Schlange sitzt.
Emotionen, die aus der Angst entstehen: Gleichgültigkeit, Antriebslosigkeit und Hass.

Gier

Gier ist das Gefühl, etwas unbedingt besitzen zu wollen, auch in dem vollen Bewusstsein, dass es uns oder anderen schadet. Es gehört damit zur Anhaftung. Werden wir von ihr besiegt, verlieren wir ebenfalls die Kontrolle und tun Dinge, die wir gar nicht wollen.
Emotionen, die aus Gier entstehen sind: Eifersucht, Geiz, Neid und Hass.

Verwirrung

In der Chan-Philosophie sieht man die Verwirrung, oder auch Dummheit genannt, als Ursache allen Übels. Sie erlaubt es, anderen die Kontrolle über uns zu geben und macht uns zu Marionetten.
Folgende Emotionen entstehen aus der Verwirrung: Ignoranz, Desorientierung, Unsicherheit, Angst und Hass.

Bemerkenswert ist: Alle drei Grundemotionen führen zu unterschiedlichen weiteren Emotionen, doch eine ganz bestimmte Emotion ist immer dabei: Hass. Und damit sind alle drei Grundemotionen in der Lage, nicht nur uns massiv zu schaden, sondern auch unserem Umfeld.

Die Transformation schädlicher Emotionen in positive Energien

Mit dem Shaolin-Coaching arbeiten wir an der Transformation dieser schädlichen Emotionen hin zu positiven Gefühlen. Ziel dabei ist, in unsere Mitte zu kommen.
In der eigenen Mitte zu sein, bedeutet nichts anderes als Selbstsicher und Selbstbewusst zu sein. Sich seiner Stärken und vor allem auch seiner Schwächen bewusst zu sein, diese anzunehmen und die Verantwortung dafür zu übernehmen; und ebenso daran zu arbeiten, die Schwächen in Stärken zu transformieren.

Von der Verwirrung zur Konzentration auf das Hier und Jetzt

Konzentration meint nicht das fokussierte Handeln unter Ausblendung alles anderen, das uns umgibt oder um uns herum geschieht. Konzentration bedeutet in diesem Fall im Hier und Jetzt zu sein, sich und allem anderen im Augenblick bewusst zu sein, ohne sich unbemerkt von Erwartungen und negativen Emotionen wegreißen zu lassen. Um diesen Zustand zu erreichen muss dies ständig im Alltag geübt werden. Viel zu oft sind wir mit unseren Gedanken in der Vergangenheit oder der Zukunft. Wir trauern vergangenem nach oder blicken sorgenvoll auf etwas, von dem wir vermeintlich annehmen, dass es eintritt. Durch die beschriebene Art der Konzentration auf den Augenblick leben wir nicht nur intensiver, wir sind auch eher in der Lage, unsere Emotionen im Griff zu halten und unsere Aufgaben effizienter zu erfüllen.

Von der Angst zur Entschlossenheit

Entschlossenheit ist die Fähigkeit, Dinge anzupacken und nicht vor sich her zu schieben. Viel zu oft ist man zögerlich und wartet ab, schiebt unliebsame Aufgaben auf. Entwickelt man Entschlossenheit, geht man die Sache direkt und vorurteilsfrei an, ohne an Vorstellungen zu haften. Man löst Herausforderungen, bevor sie zu Problemen werden.
Entschlossenheit ist keine Frage des Charakters und der Persönlichkeit, sondern vielmehr eine bestimmte Art zu denken und zu leben. Es ist auch die Fähigkeit, sich selbst immer wieder an das zu erinnern, wofür man sich entschieden hat. Sowohl unser Denken als auch die Fähigkeit, sich selbst zu erinnern, lassen sich trainieren.

Von der Gier zur Kontrolle

Kontrolle ist wie ein wilder Tiger. Tötet man den Tiger, tötet man die eigenen Energien. Es geht darum, den Tiger zu „reiten“, das heißt, ihn zu kontrollieren.
Verliert man jedoch die Kontrolle und fällt herunter, frisst uns der Tiger.
Kontrolle bedeutet in die eigene Mitte zu kommen. Hilfreich hierbei ist, Ruhe in sein Leben zu bringen. Qi Gung kann hier gute Dienste leisten.

Fazit

Im Rahmen der normalen emotionalen Aktivität entfalten Emotionen keine schädliche Wirkung. Geraten sie jedoch außer Kontrolle und werden so stark, dass sie einen Menschen über einen längeren Zeitraum überwältigen, verursachen sie Disharmonien im Qi-Fluss und können Organe direkt schädigen. Dabei kommt es mehr auf die Dauer an als auf die Intensität der Emotionen.

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