Glaub doch was du willst – Glaubenssätze Teil 2

„Der Glaube kann Berge versetzen!“, besagt ein altes Sprichwort. Dies funktioniert in alle Richtungen. Der Glaube kann uns auf den richtigen Weg bringen oder ihn versperren. Zwei Beispiele.

Wirkung von Glaubenssätzen – Beispiel: Placebo-Effekt

Er ist ein spannendes Phänomen, dieser Placebo-Effekt. Laut Wikipedia (Abruf  am 08.01.2017, 18:34 Uhr) sind „Placeboeffekte [ … ] positive Veränderungen des subjektiven Befindens und von objektiv messbaren körperlichen Funktionen, die der symbolischen Bedeutung einer Behandlung zugeschrieben werden. Sie können bei jeder Art von Behandlung auftreten, also nicht nur bei Scheinbehandlungen.

Ein Placebo (lat. „ich werde gefallen“) ist im engeren Sinn ein Scheinarzneimittel, welches keinen Arzneistoff enthält und somit auch keine durch einen solchen Stoff verursachte pharmakologische Wirkung haben kann.“

So können Patienten, denen ein bestimmtes Medikament verabreicht wird, eine positive Wirkung darauf zeigen, selbst wenn das Medikament überhaupt keinen Wirkstoff enthält. Alleine das Wissen (der Glaube) ein wirksames Medikament zu erhalten, sorgt für dessen Wirkung. Es gibt mittlerweile Studien, die belegen, dass Placebos zur Schmerzlinderung bei 50 – 70% der Patienten gleichsam wie Morphium wirken können. In einer anderen Studie fand man heraus, dass bei Patienten, bei denen das Placebo keine Wirkung zeigte, auch Morphium kaum bis gar nicht wirkte.

Die Kehrseite der Medallie – willkommen im postfaktischen Zeitalter

Während also die einen Glaubenssätze durchaus hilfreich und gut sein können, auch wenn man dies nach wie vor nicht genau erklären kann, gibt es andere, negative Glaubenssätze, die alles andere als Heilsam, sondern geradezu zerstörerrisch sind. Ein Problem wird dann daraus, wenn Menschen diese negativen Glaubenssätze mit sich herumtragen und eine Gesellschaft damit verändern. Dies kann zu einer Menge Leid führen.

Bestes Beispiel dafür ist die Existenz von Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes). Diese Gruppe wurde im Dezember 2014 gegründet und demonstriert gegen die von ihnen behauptete Islamisierung Deutschlands. Seitdem schämen sich ihre Anhänger nicht, ungeprüfte und falsche Aussagen und sinnfreie Meinungen als die Wahrheit zu postulieren und die Denkfaulheit und Bequemlichkeit ihrer Anhänger zu missbrauchen.

Das britische Meinungsforschungsinstitut Ipsos hat kürzlich in einer Studie ermittelt, dass die Deutschen den Anteil von Muslimen in Deutschland viermal höher schätzen als er tatsächlich ist. So schätzten die Befragten den Anteil auf 21 Prozent. Tatsächlich liegt er bei etwas mehr als fünf Prozent. Fakten versus Glaube!

Bei Pegida, AfD und selbst bei der CSU oder allen anderen rechts von der Mitte stehenden Parteien und Gruppierungen wird entgegen aller Fakten ein negatives und pauschales Bild von Ausländern verbreitet: Alle Ausländer sind Vergewaltiger, Diebe, Sozialschmarotzer und strömen als Flüchtlinge in Massen in unser Land. Menschen fürchten sich davor. Anstatt sich mit dem Fremden auseinanderzusetzen und etwas darüber zu lernen, halten die meisten Menschen lieber an ihren Glaubenssätzen fest. Mir fällt dazu ein Satz des Kabarettisten Max Uthoff aus einer Folge in „Die Anstalt“ ein: „Ich lasse mir von Ihren Fakten doch nicht meine Meinung kaputt machen!“

Der Kabarettist Max Uthoff zusammen mit dem Autor

Ein Beispiel dazu: Der Pegidagründer Lutz Bachmann führte als Beleg für seine kruden Thesen die Tatsache an, dass in Berlin Kreuzberg der Weihnachtsmarkt aufgrund der Islamisierung in Wintermarkt umbenannt wurde. Dieser Aussage gingen sogar Politiker auf den Leim. So wie der Geschäftsführer der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Josef Zellmeier, der in einer Pressemitteilung sich auf die vermeintliche Umbenennung mit folgender Aussage bezog: „Weihnachts- und Christkindlmärkte sind fester Bestandteil unserer christlichen Kultur. […] Die Missachtung der eigenen kulturellen Prägung hat nichts mit Toleranz zu tun, ist vielmehr ein Auswuchs falsch verstandener Multikulti-Ideologie.“

In den sozialen Netzwerken wurde die Geschichte eifrig geteilt. Der Haken an der Sache: es stimmt nicht. Und obwohl schlichtweg falsch, hält das die Idioten „Patrioten“ von Pegida bis heute nicht davon ab, diese erfundene Umbenennung als Beweis für ihre Behauptungen zu nutzen. Die taz berichtete über das Thema.

Fazit

Glaubenssätze können Fluch und Segen sein. Manchmal helfen sie, sind heilsam, auch wenn man nicht unbedingt weiß, warum das so ist. Doch sind es positive Glaubenssätze, die keinen Schaden anrichten.

Negative Glaubenssätze jedoch ungeprüft und ohne nachzudenken zu akzeptieren, führt oft zu Angst und Furcht. Aus dieser Furcht wird schnell Ablehnung und Hass. Und bis zur Gewalt ist es dann nur ein kleiner Schritt. Gewalt, die nicht mehr nur auf die ursprünglich gegensätzliche Meinung ausgerichtet wird, sondern auf alles, was von der eigenen Denkweise abweicht. Dies wird als Gefahr betrachtet und konsequent bekämpft.

Man sollte seine Glaubenssätze daher genau anschauen und prüfen, welche davon das menschliche Weiterkommen verhindert. Je nachdem ist das eine schwierige und teils schmerzhafte Angelegenheit – allerdings alle Mühe wert.

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